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Wie auf einer Auto-Tuning-Messe der 1990er Jahre entfacht das Wort Kohlenstoff leidenschaftliche Diskussionen und erhitzt die Gemüter! Mit einem entscheidenden Unterschied: Heute geht es nicht mehr darum, wer am meisten „rausbläst“, sondern wer am wenigsten verursacht.

 

Ziel ist es, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Aréa hat seit seiner Gründung zahlreiche Praktiken übernommen, die man heute als ressourcenschonend bezeichnen würde. Ursprünglich gedacht, um unser Geschäftsmodell „mit gesundem Menschenverstand“ zu optimieren, trägt diese Kultur heute zu einem begrenzten ökologischen Fußabdruck bei. Dennoch reicht das nicht aus, um auf eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema zu verzichten. Gegründet im Jahr 1987, hat Aréa die Einführung des Euro miterlebt. Nun steht ein weiterer Wandel an: Wir rechnen heute auch in Tonnen CO₂. Was eine zusätzliche Komplexität in unserer Unternehmensgleichung hätte sein können, wurde zu einer spannenden Möglichkeit der Selbstreflexion. Und zu einer kollektiven Neuerfindung, um noch mehr  stolz auf unsere Arbeit und unsere Stadtmöbel zu sein.

 

 

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Gif conçu par aréa mobilier urbain.

Also haben wir beschlossen, uns den Zahlen zu stellen und eine CO₂-Bilanz zu erstellen, im Bewusstsein, dass unser ökologischer Fußabdruck zwar dank unserer Kultur der Bescheidenheit wahrscheinlich begrenzt ist, aber dennoch verbessert werden kann. Ein Jahr Engagement später steht die Bilanz fest: eine einzige Zahl, die alles zusammenfasst. Zusammenfasst, aber nur wenig aussagt...

Verzweifelt auf der Suche nach Anhaltspunkten angesichts dieser Prévert’schen Aufzählung¹, haben wir sogar an das Gedächtnis zweier legendärer Kochoriginale aus dem Südwesten Frankreichs [Maïté et Micheline] appelliert, als wir das Äquivalent von Entenbrust „équivalent magret“ [typische Speise Südfrankreichs] erfanden! Im Ernst: Diese Zahl entspricht den jährlichen Emissionen von 219 Menschen in Frankreich. Gar nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass wir 140 Mitarbeiter sind und im Jahr dieser ersten Bilanz 44.500 Produkte hergestellt haben!

 

 

 

 

Damit kommen wir zur ersten Lehre aus der CO₂-Bilanz: Es gibt nur Äquivalente aber keinen direkten Vergleich mit Wettbewerbern, keinen Referenzwert für eine vergleichbare Tätigkeit, nicht einmal eine ungefähre Größenordnung für ein ähnliches Unternehmen. Ohne es zu verheimlichen, dies ist ein wenig verwirrend und frustriert auch. „Vergleichen ist der Anfang allen Unglücks“, sagen die, deren Sprichwörter man fast mit der C14-Methode datieren könnte (schon wieder Kohlenstoff!). Wir stellen unter leichter Frustration fest: Der Wunsch, sich zu vergleichen, war bereits da, wenn auch unbewusst.

 

Inzwischen haben wir verstanden, dass der einzige sinnvolle Vergleich mit uns selbst ist. Denn es geht nicht darum, besser, schlechter oder noch schlechter als andere zu sein... Sondern, dass alle besser werden als sie es heute sind. Nur so, und wirklich nur so, lässt sich ein kontrollierbarer Klimapfad einschlagen. Der erste Nutzen unserer CO₂-Bilanz ist daher nicht ökologischer, sondern verhaltensbezogener Natur. Er liegt in dem tiefen Verständnis, dass die bevorstehende Herausforderung die anspruchsvollste überhaupt ist: Der Wettlauf gegen uns selbst.

 

Gif conçu par aréa mobilier urbain.

Kehren wir zurück zu unserem Wunsch, den Einfluss unserer Tätigkeit auf die Umwelt durch die Erstellung einer CO₂-Bilanz genauer zu untersuchen, obwohl wir aufgrund unserer Unternehmensgröße nicht dazu verpflichtet sind. Wir waren zuversichtlich und hielten uns für „gut aufgestellt“. Und auch wenn wir tatsächlich nicht schlecht abschneiden, haben wir viele Verbesserungsmöglichkeiten erkannt…

Dieser Prozess hat uns kollektiv in ein Thema eingeführt, eines, das unsere Arbeit, unsere Produktion und unsere Organisation in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen. So sehr, dass sich mittlerweile alle Mitarbeiter von Aréa mit auf diesen Weg gemacht haben, einen offenen, nie wirklich abgeschlossenen Weg der ökologischen Verantwortung. Denn: Es gibt fast immer die Möglichkeit, es besser zu machen, also mit weniger. Als Unternehmen, das sich gestalterisch schon immer dem Prinzip „Less is more“ verpflichtet fühlt, haben wir eine neue Leidenschaft dafür entdeckt, diesen Grundsatz über das Design hinaus anzuwenden: auf die Produktion, den Vertrieb und die Logistik. 

Man sagt: Die sauberste Energie ist die, die man nicht verbraucht. Was für Energie gilt, gilt natürlich ebenso für Materialien wie Stahl oder Holz und für den Transport. Dieser einfache, gesunde Menschenverstand ist fest in unserer Unter- nehmens-DNA verankert. Und wir sind jeden Tag dankbar für die Weitsicht des Gründers von Aréa, auch in dieser Hinsicht. Aber wir betrachten diese Kultur, die damals noch nicht „Ökodesign“ genannt wurde, heute nicht als Ziel, sondern als Antrieb noch weiter- zugehen.

 

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Gif conçu par aréa mobilier urbain.

Wer vom öffentlichen Raum spricht, spricht auch von öffentlichen Aufträgen und damit von Steuergeldern. Unsere Stadtmöbel werden mit öffentlichen Mitteln finanziert und müssen deshalb vorbildlich sein. Um zu verstehen, wie wir zu diesem auf den ersten Blick etwas strengen Anspruch der Vorbildlichkeit gekommen sind, muss man einen Schritt zurückgehen und erkennen, dass es letztlich unsere Leidenschaft war, die uns dorthin geführt hat.

Die Gründung von Aréa wurzelt in unserem Interesse für den öffentlichen Raum und in dem Wunsch, diesen durch Mobiliar angenehmer, ruhiger, sauberer und sicherer zu gestalten. Damit unser Stadtmobiliar in größerer Zahl aufgestellt werden kann, muss es so wirtschaftlich wie möglich sein. Genau das hat uns dazu gebracht, auf allen Ebenen das Überflüssige zu streichen. Ohne es so zu benennen, praktizieren wir seit unserer Gründung das Prinzip der zielkostenorientierten Gestaltung, besser bekannt als Design-to-cost. Dabei werden bereits in der Entwicklungsphase alle Möglichkeiten zur Kostenoptimierung berücksichtigt. Wenn unser Vertrieb sagt: „Wir brauchen ein Bankmodell mit 160 cm Länge, Sitzfläche aus heimischem Holz, Gestell aus verzinktem Stahl, und das Ganze für weniger als 700 €“, und dass unsere Produkte in Frankreich, bei uns, hergestellt werden, also mit wirklich festen Fixkosten, dann zählt jedes Detail! Indem wir auf die Kosten achten, achten wir zwangsläufig auch auf den Materialeinsatz, den Energie- verbrauch, die Logistik und den Transport. Diese Suche nach Effizienz hat uns, ganz nebenbei, auch ökologisch verantwortungsvoll gemacht. Zusammengefasst: Wir sind über die öko-nomische Gestaltung zur öko- logischen Gestaltung gekommen.

 

Gif conçu par aréa mobilier urbain.

Bei Aréa beschränkt sich unser Streben nach Wirtschaftlichkeit nicht nur auf die Produktgestaltung und -herstellung. Wir möchten sämtliche Nebenkosten vermeiden, die keinen Mehrwert für den Kunden oder den Nutzer darstellen. Sie sagen, das sei gesunder Menschenverstand? Wir gehen noch einen Schritt weiter und streben nach dem Niveau des „großen gesunden Menschenverstands“.

So heizen wir unsere Gebäude seit jeher mit Holzresten und Holzhackschnitzel aus unserem eigenen holzverarbeitenden Atelier, anstatt für deren Entsorgung zu bezahlen. Größere Holzstücke stellen wir der Kunsthochschule von Toulouse für deren Projekte ihrer Studierenden zur Verfügung. Die Maße unserer Möbel werden so gewählt, dass Materialverluste möglichst gering bleiben und die anfallenden Stahlreste werden lokal wieder eingeschmolzen. Wir haben keine Außendienstmit- arbeiter auf den Straßen, denn wir setzen seit unserer Gründung auf direkten und digitalen Vertrieb. Wir optimieren die Verpackung auf Paletten, um Platz zu sparen und so die LKWs besser auszulasten und damit die Anzahl der Fahrten zu reduzieren.

Sie sagen jetzt vielleicht: „Ganz schön viele Einschränkungen, oder?“ Wir sagen: Einschränkungen behindern Kreativität nicht, sie beflügeln sie. Und ja, wir nehmen bewusst in Kauf, dass wir uns das Leben manchmal schwerer machen, um den Anspruch zu erfüllen, den wir an uns selbst stellen. Denn mal ehrlich: Könnten wir uns auf einem wackeligen Stuhl wirklich wohlfühlen, zumindest aus ethischer Sicht? Oder ernsthaft glauben, dass ein „nachhaltiger“ Abfallbehälter, der nicht sauber bleibt, zur Sauberkeit beiträgt?

 

 

Gif conçu par aréa mobilier urbain.

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die langlebigsten Produkte diejenigen sind, die am längsten halten. In dieser Hinsicht kommt uns unsere Branche entgegen. In einem Umfeld tätig zu sein, dem öffentlichen Raum, in dem höchste Stabilität gefordert ist, das ist ein echter Vorteil. Warum?

Weil etwas, das stabil ist, lange hält. Und wenn es lange hält, ist es nachhaltig. Bingo! Produkte zu entwerfen und herzustellen, die der Zeit standhalten, ist der einfachste Weg weniger zu verbrauchen. Eine besonders heimtückische Form der Abnutzung ist das „aus der Mode kommen“, das dazu führt, dass Gegenstände, die ihre Funktion noch einwandfrei erfüllen, aussortiert werden, um neue, gerade angesagte Produkte zu kaufen, die morgen schon wieder veraltet sind. Sich von Modetrends fernzuhalten, ist schon der erste Schritt auf dem Weg zur Nachhaltigkeit. Genau das tun wir. Zu unseren meistgefragten Produkten gehören eine Bank aus dem Jahr 1988 und ein Abfallbehälter aus dem Jahr 1992. Zur Robustheit der Konstruktion und zum zeitlosen Design kommen zwei Grundsätze von Aréa hinzu. Erstens: der Verzicht auf jegliche technische Ausstattung (Solarsensor, USB-Anschluss usw.), die eine kürzere Lebensdauer als das Mobiliar hat und es somit vorzeitig veralten lassen würde. Zweitens: die Reparierbarkeit dank der sehr langen Verfügbarkeit aller Ersatzteile. Am Ende ihrer Lebensdauer angekommen und hauptsächlich aus unendlich recycelbarem Stahl bestehend, werden sie demontiert, eingeschmolzen und wiedergeboren, als Heizkörper, Grillplatten, Wasch- maschinen, Trägerbalken … oder, wenn sie Glück haben, in neue Stadtmöbel.

 

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Gif conçu par aréa mobilier urbain.

Der CO₂-Fußabdruck ist keine Ziellinie, sondern ein Ausgangspunkt. Es handelt sich um eine endlose Herausforderung, da die möglichen Verbesserungsansätze nahezu unbegrenzt sind. So sehr, dass die Fortschritte auf lange Sicht winzig klein werden können. So weit sind wir allerdings noch nicht, wir haben noch viele Punkte zu verbessern, neu zu überdenken und zu erfinden…

Ein zentraler Bestandteil unserer Möbel ist Stahl, der 50 % der CO₂-Bilanz von Aréa ausmacht. Mehr als 90 % des von uns verwendeten Stahls stammt bereits aus dem Recycling. Dadurch konnten im Jahr 2023 rund 598 Tonnen CO₂ eingespart werden, das entspricht fast 300 Flügen Paris–New York. Wir müssen also noch besser werden, obwohl wir nur auf die Hälfte unserer Emissionen direkt Einfluss nehmen können. Was uns hätte entmutigen können, hat im Gegenteil unsere Motivation noch verstärkt. Die Fertigstellung unseres Dekar­bonisierungsplans ist in Arbeit und stellt die zweite Etappe unseres Vorgehens, nach der Erstellung der CO₂-Bilanz,  dar. Unsere nächste Bewertung wird 2027 stattfinden. Selbst wenn sich die Bewertungsmethoden bis dahin ändern sollten, wissen wir, dass wir bessere Ergebnisse mit einer reduzierten Emissionsbilanz erzielen werden.

Warum? Weil das Thema uns alle fasziniert. Ein Beispiel: unsere berühmte Unsicherheitsrate von 9 %, die, so heißt es, sehr gut ist. Dieser Wert bezieht sich auf die Fehlermarge, die durch ungenaue Daten oder noch verbesserungsfähige Berechnungsmethoden entsteht. Während wir Experten die Methoden weiter verfeinern lassen, liegt es an uns, gemeinsam mit unseren Lieferanten, deren CO₂-Emissionen zu präzisieren, d.h. sie dazu zu bewegen, die Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung in ihre Tätigkeit zu integrieren. Gegebenenfalls auch, ihre eigene CO₂-Bilanz zu erstellen. Und so schließt sich der Kreis auf sinnvolle, nachhaltige Weise. Indem wir diejenigen in den Prozess einbeziehen, die diesen Weg noch nicht gegangen sind, bauen wir eine Kette von Unternehmen auf, die durch den gemeinsamen Willen verbunden sind, den CO₂-Fußabdruck menschlicher Aktivitäten zu verringern. Dieses kollektive Bewusstsein ist die eigent-liche Herausforderung unserer Arbeit rund um die Unsicherheitsrate.

 

Gif conçu par aréa mobilier urbain.

Die Aufbruchsstimmung hat alle Bereiche unserer Organisation erfasst. Eines der ersten Teams, das sich des Themas annahm, war die Einkaufsabteilung, die sich ein klares Ziel setzte: die Genauigkeit der von unseren Lieferanten stammenden Informationen zu verbessern, um sicherzustellen, dass unsere Zahlen weder unter- noch überschätzt werden.

Eine Etage höher wurde beschlossen 2.300 m² Photovoltaikmodule auf dem Dach unserer Produktionsstätte in Flourens zu installieren. Eine Investition von 750.000 €, die es ermöglicht, die Hälfte des jährlichen Stromverbrauchs des Standorts zu produzieren. Um diesen Wert noch zu verbessern, müsste unsere Arbeitszeit an die Jahreszeiten angepasst werden: 10 Stunden im Sommer und 5 Stunden im Winter. Ob diese Option Anklang fände, ist allerdings fraglich… Fortwährend sprudeln neue Ideen im innovativen Mitarbeiterteam. Bereits alle Klimaanlagen wurden durch programmierbare Modelle ersetzt. Keine Energieverschwendung mehr in der Nacht oder am Wochenende, das ist gut, aber wie kann man darüber hinausgehen?

Unsere Produktionsstätte in Noé hat ihren dieselbetriebenen Gabelstapler durch ein elektrisches Modell ersetzt. In den Büros sind inzwischen alle zu „Zeitschaltuhren“ geworden und stehen regelmäßig auf, um das Licht auszuschalten. Die Sensibilisierungskampagne im Rahmen der vollständigen Umrüstung auf 100 % LED-Beleuchtung hat Früchte getragen. Und da wir gerade von Früchten sprechen, es sprießen noch weitere Ideen: Unser Gemüsegarten-Projekt befindet sich in der Abschlussphase. Bald werden wir sagen können: „Keine Frage: die Bio-Tomaten aus dem Büro sind einfach etwas ganz Besonderes!“

 

 

 

 

 

Date : / Author : / Credit : Illustrationen und Motion Design © Aréa 2025